Dieser Tage steckt es wohl wahrlich in nahezu jeder Überschrift: Das Nexus 7. Kein Wunder, denn auf der Entwicklerkonferenz I/O ließ Google mit dem Nexus 7 einen richtigen Kracher vom Stapel. Über die Ausstattung des Nexus 7 Tablet brauche ich wohl nicht mehr viele Worte zu verlieren. Das ganze gibt es auch noch für 199 Dollar. Wow! Sollte man jedenfalls denken. Auf der Übertragung der Vorstellung des Nexus 7 kam jedoch eine Sache klar zur Sprache: nämlich Cloud Content. Digitale Inhalte in der Cloud sollen beim Nexus 7 im Vordergrund stehen. Das waren auch die Punkte, die bei der Demonstration des Gerätes für die Größten “Wow!”-Rufe gesorgt haben. Google möchte mit dem Start des Nexus 7 auch den Google Play Store general überholen. Allerdings – und das wird wohl leider niemanden überraschen – vorerst nur in den USA.
Immerhin, in Deutschland dürfen wir nun auch Bücher im Play Store kaufen. Abgesehen von den Apps war es das aber. Die richtig coolen Sachen wie das Kaufen beziehungsweise Leihen von Filmen und Musik bleibt uns noch verwehrt. Google will, aber Google darf nicht. Wie immer hapert es bei den Lizenzen. Es ist zum Schreien! Das stellt nicht nur ein Problem für uns Konsumenten dar, sondern auch für Google. Somit könnte der europäische Markt für das Nexus 7 ein Problem werden. Das Nexus 7 ist scheint ein super Gerät zu sein. Es ist wertig und vergleichsweise günstig. Die angepriesenen Features sind jedoch hierzulande nicht nutzbar. Wann das der Fall sein wird ist unklar. Dazu kommt ein weiterer, für mich nicht ganz so überraschender Faktor. Das Nexus 7 kostet 199 Dollar. Kürzlich wurde es schon auseinander genommen. Die verbaute Hardware in der 8GB Variante kostet 184 Dollar. Auf den ersten Blick wird damit noch ein Gewinn von 15 Dollar pro Gerät erzielt. Allerdings gibt es noch eine Reihe weiterer Kosten, die berücksichtigt werden müssen. Da wären beispielsweise Entwicklungs- und Fertigungskosten. Ich habe keine Vorstellung, ab welcher Menge der Break-Even Punkt erreicht ist. Das werden sicher die BWL’ler bei Google beziehungsweise Asus am besten wissen. Ich weiß auch nicht, welche Strategie mit dem Nexus 7 verfolgt wird. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass mit dem recht geringen Preis des Nexus 7 der Markt einfach sehr stark penetriert werden soll um sehr hohe Marktanteile zu erzielen. Dabei würde dann der Gewinn nicht über den Verkauf des Gerätes erzielt, sondern über den Verkauf von sonstigen Inhalten wie Apps, Bücher, Filme und Musik. Letzteres gibt es in Europa aber noch nicht. Genau da liegt nämlich der Hase begraben.
Bei mir hat es direkt klick gemacht als ich den Artikel über die Kosten des Nexus 7 gelesen habe. Amazon verfolgte mit dem Kindle Fire Ende letzten Jahres eine ähnliche Strategie. Dort hat man jedoch schon direkt das Gerät zu einem Preis verkauft, der deutlich unterhalb der Herstellungskosten lag. Das Hauptaugenmerk lag aber beim Content. Die Strategie scheint aufzugehen, denn die Kindles sind erfolgreich. Innerhalb kürzester Zeit erlangte das Kindle Fire einen Marktanteil von über 50%.
Amazon hat vergleichsweise aber einen riesengroßen Vorteil. Amazon hat Lizenzen zum Vertrieb digitaler Medien, Google eben nicht. Die Krux an der Sache: Die Tablets von Amazon basieren auf Android, sind aber von jeglichen Google Diensten abgeschottet. Ich hatte es vor langer Zeit schon angedeutet, Google muss mit Amazon aufpassen. Was ich damals schon befürchtet hatte ist vor einiger Zeit auch eingetreten. Amazon hat mit der Hilfe von Android ein eigenes Ökosystem aufgebaut und verdient daran. Google bleibt in dieser Wertschöpfungskette außen vor. Google ist nicht einmal als Innovationstreiber oder als Beteiligter zu erkennen. Das ist bitter. Aber der Schritt mit dem Nexus 7 zeigt, dass Google das Problem erkannt hat und handelt. Das Nexus 7 ist im Ganzen cooler und geht bei den Features noch ein Stück weiter als Amazon mit den Kindle Tablets. Jedoch kann Google seine Inhalte noch nicht überall verfügbar machen. Auch der Play Store, der zu Beginn als “Android Market” eher stiefmütterlich behandelt wurde, bekommt immer mehr Zuwendung und wurde anwenderfreundlicher gestaltet. Es hapert allerdings noch beim Content. An der Stelle schrieb Karsten Werner in einem t3n-Artikel einen schönen Absatz, den ich hier auch zitieren möchte.
Die Tablet-Offensive von Google wäre eigentlich eine ideale Gelegenheit, sich auch für hiesige Märkten zu öffnen: Das Gerät ist preiswert, erscheint wertig und könnte dem Tablet-Markt in einer Weise beflügeln, von der auch Lizenzinhaber profitieren würden. Wenn sie es denn wollten.
Es ist schade aber auch ich gehe davon aus, dass das Nexus 7 hier in Deutschland nur halb so cool wie erwartet sein wird. Schade, schade. Aber es wird sicher noch interessant werden zu sehen, wie Google sich gegen Amazon zur Wehr setzt. Irgendwie wurde in dem Zusammenhang nirgends Apple erwähnt. Komisch…
Quellen
- Nexus 7 Tablet in Europa: Tolle Technik ohne Inhalte? – t3n.de
- Amazon erobert Android: Wie Google die Kontrolle über sein Betriebssystem verliert – t3n.de
- Statista
- Google Nexus 7 Hardware kostet 184 US Dollar – appdated.de






