Herrlich, der erste April ist vorbei. Man kann also wieder ohne größeren Argwohn Beiträge lesen und verfassen. Und das beste: Die Sonne scheint auch (zumindest als ich angefangen habe diesen Artikel zu schreiben…). Doch tut sie das auch für Android? Darüber kann man derzeit durchaus geteilter Meinung sein. Im Artikel Wo steht Android jetzt und wie geht es weiter? habe ich bereits ein wenig über die momentane Situation und die Zukunft von Android philosophiert. Als wesentliche Kritikpunkte habe ich dort den schwachen Market und die starke Fragmentierung der Versionen hervorgehoben. Die Lektüre des eben genannten Beitrages sei an dieser Stelle sehr empfohlen, da ich in diesem Beitrag auf den dort genannten Kritikpunkten aufbauen werde.
Obwohl der Beitrag nicht einmal sonderlich alt ist, hat sich seitdem etwas getan. Amazon eröffnete einen eigenen App Store und Google stellte die Weichen für die Zukunft von Android. Was das für Google, Android und den Endbenutzer bedeuten könnte, möchte ich in diesem Beitrag versuchen zu erläutern.
Bleibt Android weiterhin offen?

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Die Entscheidung, dass der Quellcode von Honeycomb vorerst nicht veröffentlich wird, sollte also noch kein Grund zum Zweifel an der Offenheit von Android sein.
Der Kampf gegen die Fragmentierung
Des Weiteren hat Google bekannt gegeben, dass verschärft gegen die Versionsfragmentierung vorgegangen wird. Dazu werden die Hersteller mehr oder weniger an die Leine genommen. Künftig sollen alle weiteren Anpassungen der Hersteller, sprich eigene Benutzeroberflächen oder sonstige Erweiterungen, von Andy Rubin höchstpersönlich kontrolliert und abgezeichnet werden. Sind diese Veränderungen nicht mit den neuen “non-fragmentation” Klauseln konform, so droht den Herstellern ein verzögerter Zugriff auf die neuesten Android Versionen. Die Hersteller sind davon natürlich nicht begeistert. Die angepassten Oberflächen dienten bislang meistens als Differenzierungsmerkmal zur Konkurrenz. Ab sofort könnten diese Merkmale aber zum Verhängnis werden. Der verspätete Zugriff auf aktuelle Versionen und damit eventuell auch der verzögerte Start von neuen Geräten ist schmerzhaft. Das Verhalten von Google ist aber absolut nachvollziehbar. Durch die herstellereigenen Oberflächen kam es bereits zu größeren Verzögerungen bei Updates. Der leidtragende ist dabei natürlich der Endanwender. Man ist also bemüht der Fragmentierung vorzubeugen. Es wird sich zeigen ob Google den richtigen Weg gewählt hat. Kritiker zweifeln die zukünftige Offenheit von Android an, denn möglicherweise werden in Zukunft fertige Android Versionen länger zurück gehalten, obwohl sie fertig sind. Dies dürfte insbesondere die Entwickler von Custom ROMs treffen. Unter Umständen wird der Endanwender erneut der Leidtragende des Ganzen sein. Es ist fraglich ob so die Bereitschaft der Hersteller, Updates bereit zu stellen, gesteigert wird. Zusätzlich könnten Custom ROMs nicht mehr so frühzeitig entwickelt werden.
Was letztendlich die Konsequenzen des Ganzen sind und wie diese “non-fragmentation” Klauseln aussehen, wird sich zeigen. Es besteht aber durchaus die Chance, die Fragmentierung der Versionen zu verringern ohne dass der Endanwender darunter leiden muss, im Gegenteil wir könnten davon profitieren. Bedenklich ist jedoch, dass Google damit versucht ein Monopol aufzustellen. Insbesondere Veränderungen bei Navigation und Suche werden nicht toleriert. Genauere Infos zu dieser Angelegenheit finden sich in einem Artikel der Buisnessweek.
Amazon konkurriert mit Google

Der Amazon App Store.
Bild: {link:http://www.heise.de/newsticker/meldung/Ausprobiert-Amazon-Appstore-fuer-Android-1214643.html}heise.de{/link}
Man hat also die Qual der Wahl: Entweder den chaotischen aber offenen Android Market oder eben durch das DRM die Bindung an Amazon. Ich kann mir gut vorstellen, dass die meisten Android Benutzer da lieber bei Google bleiben. Beide Möglichkeiten sind also bei weitem nicht optimal. Wann der App Store in Europa genutzt werden kann, ist derzeit noch nicht klar.
Das ist aber nicht der einzige Bereich, in dem Amazon Google angreift. Kürzlich hat Amazon ja das sogenannte “Amazon Cloud Drive” gestartet. Dort hat man 5GB kostenlosen Speicher zur Verfügung, der gegen Geld natürlich erweitert werden kann. Darüber hinaus ist dieses Cloud Drive auch mit dem MP3 Store verknüpft. Alle dort gekauften Lieder werden in das Cloud Drive übertragen ohne dass Speicherplatz belegt wird. Dies wertet den MP3 Store ziemlich auf, wie ich finde. Das beste: Für Android gibt es eine App um die, im Cloud Drive abgelegte, Musik zu streamen. Auf diversen Seiten hat man immer wieder mal gelesen, dass Google ebenfalls einen Dienst zur Musiksynchronisation anbieten möchte. Jetzt wird es interessant sein zu sehen, wie Google auf das Angebot von Amazon reagieren wird. Ich denke mal, dass Google für uns Android Benutzer die komfortablere Lösung anbieten wird. Wie erwartet ist das Cloud Drive in Deutschland aber noch nicht vollständig verfügbar. Lediglich der Online Speicher ist vorhanden. Die Verknüpfung zum MP3 Shop fehlt jedoch. Schade.
Fazit
An den Reaktionen von Google lässt sich erkennen: Man ist sich der Probleme bezüglich Android bewusst. Gegen die Fragmentierung der Versionen wird man also vorgehen, das ist gut und auch nötig. Allerdings bereitet der eingeschlagene Weg ein wenig Bauchschmerzen. Kombiniert man die Tatsache, dass der Quelltext von Honeycomb noch nicht veröffentlicht wird damit, dass Google versucht gegen die Anpassungen der Hersteller vorzugehen, könnte man auf den Gedanken kommen, dass die Offenheit von Android in Zukunft gefährdet ist. Ich selbst sehe das allerdings nicht ganz so kritisch. Es gibt für alle Entscheidungen seitens Google gute Gründe. Ich denke, dass die Einführung der “non-fragmentation” Klauseln eine gute Sache ist, auch wenn darüber noch keine genauen Details vorhanden sind. Ich gehe davon aus, dass wir in Zukunft dann schneller Updates bekommen. Was letztendlich aber tatsächlich das Resultat des Ganzen ist wird sich zeigen.
Ein vernünftiger Market fehlt aber leider weiterhin. Es wäre nicht verkehrt gewesen dort etwas zu ändern, da diese Änderung wesentlich schneller beim Benutzer angekommen wäre. Aber eigentlich ist das gar nicht mal so wichtig. Viel erfreulicher ist es ja, dass Google die Probleme von Android erkennt und handelt.
Abschließend kann ich nur sagen, dass ich es mir sehr wünsche, dass der Market erst einmal ausreift, bevor so Spielereien wie Music Sync für Android kommen. Das würde dem Betriebssystem sehr gut tun. Meiner Meinung nach wäre es sinnvoll erst einmal die größten Stolpersteine (Fragmentierung und Market) anzugehen und dann weitere “Spielereien” einzubauen. Google muss jedenfalls aufpassen, dass Amazon ihnen gewisse Geschäftsfelder nicht abläuft. Wer weiß, vielleicht ist Google ja schon dabei den Market zu verbessern? Ein moderates Kontrollsystem wäre jedenfalls sinnvoll…





